:: Und ploetzlich befand ich mich mitten drin ::
Autor(a): Gabriele Longobardi | história publicada em 14/8/2009 Und ploetzlich befand ich mich mitten drin. Wie abgesprungen aus einem Heissluftballon...irgendwo in einer riesigen Stadt...eine kleine Praza, ein gigantischer Baum, ein dampfender Espresso. Laute Menschen um mich herum, deren Sprache ich nicht verstand. São Paulo. Meine Aufgabe war es, eine Unterkunft fuer uns zu finden, eine Wohnung fuer uns zwei, wo immer ich wollte... Mit deutscher Gruendlichkeit besorgte ich mir erstmal einen Stadtplan. Gar nicht so einfach damals in den Neunzigern. Versuchte mich zu orientieren... Was versteckte sich hinter den Namen Bixiga, Brooklyn, Santana, Ô oder Jardim St.Angela? Jardim bedeutete Garten, soviel wusste ich bereits... Die kleine Praza, wo wir den Espresso getrunken hatten am ersten Tag, hatte mir gefallen... da koennte ich leben...doch wie hiess der Stadtteil noch gleich??? Ich versuchte U-Bahnstationen und Buslinien auszumachen, ich wollte doch unabhaengig vom Auto sein...versuchte, die Stadt in Planquadrate aufzuteilen-Gruenflaechen-Theater-Museum- ein Makler wurde engagiert. Und nun begannen die Reisen durch São Paulo. Immer wieder fand ich mich in Morumbi...grosszuegige Strassen, wunderschoene Gaerten, riesige Haeuser. Doch wie hiess noch gleich die kleine Praza, auf der wir den espresso getrunken hatten? Ich konnte mich einfach nicht erinnern, und die inzwischen zahlreichen Makler winkten immer ab. So wurde ich weiter durch die Stadt kutschiert. Brooklyn sollte mir doch gefallen, da wohnen so viele Deutsche...Santo Amaro... Du moechtest es zentraler? Itaim, das beste shopping...!!! Dann endlich gelang es mir, meine Praza auf dem Stadtplan auszumachen...da wollte ich wohnen und sonst nirgendwo. Und wieder wurde der Makler gewechselt. Nein, die Wohnungen dort sind sehr gross, alt, oft renovierungsbeduerftig...aber es gelang ihm nicht, mich abzuschrecken. Das letzte Haus, das ich in Hamburg bewohnt hatte, war aus dem Jahr 1800. Der kleine Lebensmittelladen nebenan war voller Ueberraschungen. Eingelegte Heringe, Schwarzbrot, Rotkohl in Glaesern, Mohnbroetchen...mein norddeutsches Herz huepfte. Die Erklaerung kam am folgenden Sonnabend. Ploetzlich, gegen Mittag, fuellte sich unsere Strasse mit langberockten Frauen, aufgeputzten Kindern- die kleinen Jungen meist in Anzuegen, die Maedchen in Blumenroecken- und schwarz gekleideten Herren, die runde steife Huete auf ihren Schlaefenlocken trugen... In einem Umkreis von 500 Metern hatten sich die Tore von 4 Synagogen geoeffnet. Ein paar Monate spaeter unterschrieben wir den Kaufvertrag fuer eine grosse, alte, sehr renovierungsbeduerftige Wohnung, in der wir nun schon seit 13 Jahren leben. São Paulo hat Platz fuer alle. São Paulo hat Platz fuer alle nebeneinander.
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